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Faszination der medizinischen Bildgebung. Vom Röntgenbild zur 4D Holographie. Moderne Ansätze bei der Mumienforschung

Mittwoch, 11.07.2018, 18.30 Uhr

Es spricht: PD Dr. Roman Sokiranski, Heidelberg

Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 wurde ein neues Kapitel in der Medizin aufgeschlagen. Zum ersten Mal war es möglich, ins Innere des unversehrten Körpers zu blicken. Die Möglichkeiten der Röntgendiagnostik waren jedoch noch begrenzt. Einen Durchbruch stellte die Einführung der Computertomographie 1971 dar, die es ermöglicht, alle inneren Organe zerstörungsfrei sichtbar zu machen. Der renommierte Heidelberger Radiologie Roman Sokiranski hat die Entwicklung der modernen bildgebenden Verfahren über Jahre begleitet und selbst geprägt. In seinem Vortrag wird er den Weg von den Anfängen bis zur modernsten Technik der Gegenwart in der Medizin und in der Mumienforschung nachzeichnen und einen Ausblick in die Zukunft wagen. Dabei zeigt er auch die nahezu grenzenlosen Möglichkeiten der Holographie anhand der Übertragung tomographischer Daten in Hologramme, wie sie derzeit in der Sonderausstellung ‚Ta-cheru – Eine Reise ins Innere der Mumie’ im Roemer- und Pelizaeus-Museum zu sehen sind.

Wer war Ta-cheru? Rekonstruktion von Leben und Status einer Frau der altägyptischen Oberschicht im 1. Jt. v. Chr.

Mittwoch, 25.07.2018, 18.30 Uhr

Es spricht: Prof. Dr. Regine Schulz, Hildesheim 

Obwohl das alte Ägypten eine patriarchalische Gesellschaft war, konnten Frauen auch politisch eine wichtige Rolle spielen. Gerade in der Zeit der Ta-cheru, der 25. Dynastie, spielen in Theben, dem religiösen Zentrum des ägyptisch-kuschitischen Großreiches die "Gottesgemahlinnen des Amun" eine ganz bedeutende Rolle.
Ta-cheru selber war zur Zeit ihres Todes eine sehr betagte alte Dame mit fast 70 Jahren, was für das alte Ägypten ein sehr hohes Alter war. Ihre beiden Särge und die Art der Mumifizierung ihres Körpers verweisen darauf, dass sie zur Oberschicht gehört haben muss, obwohl sie wahrscheinlich ausländische Vorfahren hatte, worauf ihr Name verweist, der als "die Syrerin" übersetzt werden kann.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Rekonstruktion der Geschichte dieser Frau und ihrer Mumie, aber auch mit der besonderen Rolle von Frauen der Elite im alten Ägypten, insbesondere der "Gottesgemahlinnen des Amun" im 7. Jahrhundert vor Christus.

Leiden der Vergangenheit, Hoffnung der Zukunft - Die Bedeutung der Mumien für die moderne Medizin

Mittwoch, 08.08.2018, 18.30 Uhr

Oliver Gauert, M.A., Hildesheim

Die Untersuchung von Mumien gibt Aufschluss über die Verbreitung von Krankheiten in der Vergangenheit. Dabei werden teils dramatische Schicksale erkennbar. Krankheiten, die heute problemlos behandelt werden können, führten in vergangenen Epochen zu Siechtum und schrecklichem Leid. Schriftzeugnisse liefern in einigen Fällen zusätzliche Informationen zu den Krankheitsverläufen und lassen die Tragödien, die uns die konservierten Körper der Verstorbenen offenbaren, lebendig werden. Doch diese Erkenntnisse sind mehr als ein Blick zurück in eine Vergangenheit, in der der kleinste Husten den Tod ankündigen konnte. Sie sind auch eine Chance für die Zukunft; denn die Mumien lassen Rückschlüsse auf Krankheitsursachen und Verbreitungsmechanismen von Infektionen zu. Angebliche Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose entpuppen sich als uralte Plagen der Menschheit, deren Ursachen keineswegs alleine in der Lebensweise moderner Gesellschaften zu suchen sind. Durch die Beobachtung von Krankheitserregern über die langen Zeiträume, aus denen die Mumien stammen, lassen sich epidemiologische Gesetzmäßigkeiten ableiten. Vor allem aber eröffnet die Untersuchung der in den Mumien eingeschlossenen Krankheitserreger ein Fenster in deren genetische Vergangenheit. So lässt sich die Evolution von Bakterien und Parasiten über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende beobachten. Mutationen, die die Erreger gegen moderne Medikamente wie Antibiotika unempfindlich gemacht haben, können identifiziert werden, um neue Strategien zur Behandlung tödlicher Infektionen zu gewinnen und so die Rückkehr der großen Seuchen zu verhindern. In seinem Vortrag wird der Kurator der aktuellen Sonderausstellung "Ta-cheru – Eine Reise ins Innere der Mumie", Oliver Gauert, zeigen, wie sich aus den Mumien die Krankheits- und Leidensgeschichten Verstorbener rekonstruieren lassen und wie dieses Wissen der modernen Medizin helfen kann, künftiges Leid zu verhindern.

Von Mumien, Medizin und Molekülen - 25 Jahre als Paläopatholologe in Ägypten

Mittwoch, 15.08.2018, 18.30 Uhr

Prof. Dr. Dr. Andreas Nerlich, München

Unsere Kenntnisse über das Leben alter Völker beruhen zumeist auf archäologischen Untersuchungen, so der Analyse von Schriften, Bildern und Überresten von Bauwerken. Hierbei werden indirekte Angaben zu den Lebensumständen und -gewohnheiten alter Populationen erhoben, die - je nach Zeitgeist und Interpretation - erheblichen Deutungen unterliegen können. Inwieweit dies den tatsächlichen Lebensumständen entspricht, muss vielfach offen bleiben. Einen vergleichsweise direkten Einblick in bestimmte Aspekte menschlichen Lebens, vor allem aber die Erfassung bestimmter Krankheiten und somit menschlichen Leidens, gewährt demgegenüber die direkte Untersuchung menschlicher Überreste durch eine paläopathologische Analyse.

Seit mehreren Jahren untersucht der international renommierte Münchener Pathologe Prof. Dr. Dr. Andreas Nerlich mit seinem Team die menschlichen Überreste großer „Totenstädte“ Ägyptens, um genauere Informationen über die Zusammensetzung der damaligen Bevölkerung, deren Lebensumstände und das Vorkommen und die Häufigkeit bestimmter Erkrankungen zu erhalten. Dabei kommt zunehmend der Anwendung von modernen diagnostischen Verfahren, wie Röntgen und CT sowie molekularen Untersuchungen, eine wesentliche Bedeutung zu, so dass wir ein immer umfassenderes Bild von Leben und Leiden der Altäygpter erhalten.

Der Vortrag wird die Ergebnisse langjähriger Untersuchungen an altägyptischen Mumien und Skeletten sowie Funde und Befundkonstellationen darstellen, die nicht nur das Spektrum antiker Krankheiten beleuchten, sondern auch Anhaltspunkte für den Umgang mit Krankheiten in unserem „modernen“ Sinn widerspiegeln.

Schließlich wird  auch auf das neue Feld der "experimentellen Mumienforschung" eingegangen, in dem neue Erkenntnisse im Umgang mit dem Verstorbenen, aber auch im Verständnis der ablaufenden biologischen Prozesse des Mumienerhaltes gewonnen werden.

Erlebnisse eines Hals-Nasen-Ohrenarztes mit Mumien aus Ägypten und Peru

Mittwoch, 22.08.2018, 18.30 Uhr

Prof. Dr. Wolfgang Pirsig, Ulm 

In seinem Vortrag „Erlebnisse eines Hals-Nasen-Ohrenarztes mit Mumien aus Ägypten und Peru“ schildert der renommierte Mediziner Wolfgang Pirsig einige Aspekte seiner Erfahrungen mit Mumien, die er im Team mit Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen seit über 30 Jahren gesammelt hat. Der Experte für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde forscht seit Jahrzehnten an Mumien aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen und wird in seinem Vortrag von endoskopischen Untersuchungen an Mumien aus den Münchner Staatssammlungen berichten. 1988 nahm er an Ausgrabungen im ägyptischen Minshat Abu Omar teil und untersuchte die dort gefundenen menschlichen Überreste. Außerdem werden computertomographische Ergebnisse einer sogenannten Kornmumie aus Ägypten vom Museum der Brotkultur in Ulm vorgestellt. Schließlich folgt ein spannender Ausflug in die Welt der Drogen im Alten Ägypten und Peru. Den Abschluss bildet die Aufklärung einer spektakulären Todesursache bei einem Alt-Peruaner aus der Nazca-Zivilisation.


Der Eintritt ist kostenfrei!

Möglichkeiten und Perspektiven der Computertomographie von Mumien

Mittwoch, 29.08.2018, 18.30 Uhr

Es spricht: Dr. Bernhard Holland, Hildesheim 

 

Die Mumienforschung hat eine Jahrhunderte währende Tradition. Dennoch wurden die meisten Erkenntnisse erst in den vergangenen fünfzig Jahren erzielt. Von zentraler Bedeutung für den Fortschritt in der Medizin gleichermaßen wie in der Mumienforschung war die Entwicklung der Computertomographie. In seinem Vortrag 'Möglichkeiten und Perspektiven der Computertomographie von Mumien' wird der Chefarzt der Klinik für Radiologie am St. Bernward Krankenhaus Hildesheim, Dr. Bernhard Holland, die technische Entwicklung der Computertomographie an Anwendungsbeispielen aus der Medizin und der Mumienforschung erläutern. Dabei wird hinterfragt, was 'state-of-the-art' als Standard der Untersuchungstechnik ist. Ein spannender Ausblick auf weitere Entwicklungen und Möglichkeiten für die Mumienforschung zeigt das Potential der Anwendung radiologischer Methoden bei der Erforschung von Mumien, die zunehmend auch für die medizinische Grundlagenforschung an Bedeutung gewinnen. Eintritt kostenfrei

 

Gesucht und gefunden - Die Grabanlagen antiker Kulturen und der Umgang der Wissenschaft mit Ihnen

Mittwoch, 19.09.2018, 18.30 Uhr

Es spricht: Lea-Kristin Kschuk, M.A., Hildesheim 

Die Grabanlagen antiker Kulturen waren oft aufwendig angelegt und enthielten zahlreiche Grabbeigaben. Ähnlich wie die Mumien Verstorbener sind sie großartige Quellen, die umfassende Informationen über den Totenkult dieser Kulturen vermitteln, aber auch über das Leben der Verstorbenen und die Struktur längst untergegangener Gesellschaften. Die Suche nach den Gräbern war oft abenteuerlich und ist eng verknüpft mit den Klischees, die sich um die archäologischen Wissenschaften gebildet haben. Die Methoden zum Auffinden und zur Erschließung solcher Grabanlagen haben sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts enorm geändert, ebenso der Umgang der Archäologie mit den architektonischen Denkmälern. Natürlich hielt auch hier die Technik Einzug und unterstützt heute mittels Bodenradar, Satellitenaufnahmen und 3D-Scans die klassischen Werkzeuge des Archäologen, Spaten, Spitzhacke und Pinsel. Viel interessanter als die hochmoderne Technik, mit der wir neue Gräber finden können, ist jedoch die Handhabung der Funde an sich. Zu Zeiten von Theodore Davis, der in 12 Grabungskampagnen an die 30 Gräber freilegen ließ, lautete die Parole im ägyptischen Tal der Könige ungefähr 'jede Saison ein neues Grab'; aber zu diesem Zeitpunkt am Beginn des 20. Jahrhunderts gab es bereits unzählige beraubte Gräber, verschollene Objekte und wenig Gespür für den langfristigen konservatorischen Erhalt. Heute ist man glücklicherweise weitaus sensibler im Umgang mit den einzigartigen Grabanlagen.In ihrem Vortrag "Gesucht und gefunden - Die Grabanlagen antiker Kulturen und der Umgang der Wissenschaft mit ihnen" wird die Hildesheimer Ägyptologin Lea-Kristin Kschuk einen Einblick in verschiedene bedeutende Grabfunde antiker Kulturen weltweit geben und den Wandel im Umgang mit diesen Kulturgütern thematisieren. Anhand von spektakulären Ereignissen wie u.a. der Entdeckung des Grabes des Tutanchamun, der Terrakottaarmee des ersten chinesischen Kaisers oder der Jade-Maske eines Maya-Herrschers in Palenque lassen sich unterschiedliche Handhabungen, Fehler und Fortschritt von Wissenschaft und Wissenschaftlern selbst beobachten. Der Vortrag ist damit zugleich ein Streifzug durch die Höhepunkte der Gräberarchäologie.

 

 

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