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Welche Möglichkeiten bzw. wie viele Arten gibt es, das Alter einer Mumie zu bestimmen und wie sicher sind solche Angaben?

Die wichtigste Methode zur Datierung von Mumien ist die 14C-Methode (Radiokarbondatierung), bei der das Alter anhand der Zerfallsrate instabiler Kohlenstoffisotope im organischen Material der Mumie gemessen wird. Die Radiokarbonmethode gilt als relativ zuverläsig, wobei sich kein exakter Zeitpunkt messen lässt, sondern ein Zeitraum, in den die Mumie mit größter Wahrscheinlichkeit datiert werden kann. Die Abweichungen werden in der Regel mit 50 bis 100 Jahren angegeben. Verunreinigungen der Proben können das Ergebnis erheblich verfälschen, besonders wenn Material unterschiedlichen Alters enthalten ist. Trotzdem ist die Radiokarbonmethode die mit Abstand sicherste Möglichkeit zur Altersbestimmung. Man versucht ansonsten, Mumien anhand von Merkmalen der äußeren Gestaltung oder anhand der Balsamierungstechnik zu datieren, was aber sehr unsicher ist. Die besten Voraussetzungen sind gegeben, wenn Schriftzeugnisse vorhanden sind, die die eindeutige Einordnung erlauben.

Wo gibt es das heute noch, dass Mumien hergestellt werden und wäre es in Deutschland u. U. auch erlaubt (außer bei Gunther von Hagens)?

Die Plastination gilt auch als Mumifizierung. Sie wird nicht nur von Gunther von Hagens durchgeführt, sondern inzwischen von sehr vielen wissenschaftlichen Einrichtungen. Eines der bedeutendsten Plastinationszentren befindet sich in Wien. Das russische Labor in Moskau, das vor vielen Jahren den Körper Lenins einbalsamiert hat, mumifiziert heute noch Verstorbene und hat in jüngerer Vergangenheit z. B. die verstorbenen Staatschefs Nordkoreas, Kim Il Sung und Kim Jong Il, einbalsamiert.

Zur Mumifizierung zählt auch die Kryonik, bei der Verstorbene eingefroren werden, um sie später aufzutauen und wiederzubeleben, wobei die Erfolgsaussichten äußerst fragwürdig sind. Firmen, die diese Dienstleistung anbieten, gibt es in den USA und in Russland. Eine Sekte mit Sitz in Alt Lake City (USA) mumifiziert heute noch Verstorbene in Anlehnung an die Balsamierungstechnik der Ägypter und auch die Thanatopraxie, bei der Verstorbene zur temporären Stabilisierung der Leichen einbalsamiert werden, stellt im Prinzip eine Variante der Mumifizierung dar. Thanatopraktische Behandlungen werden weltweit, vor allem aber in den USA durchgeführt. 

Wie ist es bei manchen Heiligen möglich, dass sie nicht verwesen, ohne Erhaltungsmittel erhalten zu haben? Sind das Wunder?

Das sind keine Wunder, sondern naturwissenschaftlich erklärbare Phänomene. Die meisten erhaltenen Körper Heiliger sind so genannte Gruftmumien. Sie wurden nicht in der Erde, sondern in Kirchengruten beigesetzt, deren spezielles, sehr trockenes Mikroklima den Erhalt von Leichen begünstigt. Bekannt sind etwa die Gruftmumien aus Palermo (Italien) oder aus Vác (Ungarn). Es gibt sogar Heilige, deren Heiligsprechung speziell durch den spontanen Erhalt ihrer Körper bedingt ist, etwa den Heiligen Cuthbert (Durham, Großbritannien).

Sind Schrumpfköpfe oder ausgestopfte Tiere auch Mumien?

Ausgestopfte Tiere sind keine Mumien, da ihre Weichteile nicht erhalten sind. Schrumpfköpfe werden manchmal zu den Mumien gerechnet. Mumien sind nach der Definition Körper Verstorbener, die mit ihren Weichteilen spontan oder durch menschliches Zutun erhalten sind.

Wie nennen sich Wissenschaftler oder Berufsgruppen, die sich mit Mumien beschäftigen?

Es gibt keine eigene Berufsgruppe speziell für die Untersuchung von Mumien. Mumienforschung ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet, an dem Vertreter unterschiedlicher Disziplinen beteiligt sind, z. B. Mediziner (Anatomen, Pathologen, Paläopathologen, Radiologen), Anthropologen, Chemiker, Biochemiker und Kulturwissenschaftler, die sich mit Kulturen befassen, in denen Mumifizierung vorkommt, wie etwa Ägyptologen, Altamerikanisten oder Sinologen.

Sind Mumien giftig, was kann einem da im schlimmsten Fall passieren, bzw. was ist schon einmal in echt geschehen?

Mumien sind grundsätzlich nicht giftig. Die Körper können aber von Krankheitserregern wie z. B. gefährlichen Pilzen besiedelt sein, die allergische Reaktionen, aber auch Infektionskrankheiten und Vergiftungen auslösen können (z. B. Schimmel-Arten). Früher kannte man diese Zusammenhänge nicht und hat sich Mumien ungeschützt genähert. Daher kam es häufiger zu Erkrankungen und Todesfällen im Zusammenhang mit ägyptischen Mumien oder mit Gruftmumien. Heute nähert man sich Mumien grundsätzlich nur in Schutzkleidung (zumindest Schutzhandschuhe und Atemschutz mit Partikelfilter).

Zerfallen Mumien auch eines Tages? Wann?

Mumifizierung kann die Verfallsprozesse nicht stoppen, nur - in sehr unterschiedlichem Maße - verlangsamen. Darum zerfallen Mumien im Laufe der Zeit, wenn dem nicht mit konservatorischen Maßnahmen entgegengewirkt wird. Ägyptische Mumien sind relativ stabil, während z. B. in Russland hergestellte moderne Mumien einer ständige Nachbehandlung brauchen.

Können Mumien noch gentechnisch untersucht werden, um beispielsweise herauszufinden, was für Krankheiten sie hatten? Kann man da auch heute noch Geisteskrankheiten feststellen?

In einigen Fällen sind auch heute noch Genanalysen von Mumien möglich. Das ist jedoch abhängig vom Erhaltungszustand der Mumien. In Fällen, in denen Genanalysen möglich sind, lassen sich genetisch bedingte Krankheiten nachweisen. Vor einigen Jahren wurde beispielsweise im Rahmen eines großen Forschungsprojektes eine genetische Untersuchung von königlichen Mumien der 18. Dynastie Ägyptens durchgeführt. 

Geisteskrankheiten sind im Regelfall nicht nachweisbar. In vielen Fällern sind die Zusammenhänge zwischen Geisteskrankheiten und genetischer Codierung nicht bekannt. Es gibt auch sonst keine Methode, Geisteskrankheiten bei Mumien nachzuweisen.

Wie alt ist die älteste Mumie in dieser Ausstellung und wie alt ist die älteste Mumie der Welt? Wo befindet sich diese?

Die älteste Mumie in der Ausstellung ist die Mumie des Beamten Idu II. aus der 6. Dynastie Ägyptens. Sie ist ca. 4200 Jahre alt. 

Die ältesten erhaltenen Mumien der Welt sind ca. 7000 Jahre alt. Es handelt sich um die Mumien der Chinchorro-Kultur, die einst im heutigen Chile bestand. Die meisten dieser Mumien werden heute in Arica (Chile) aufbewahrt.

Wie lange dauert eine Einbalsamierung und spricht man danach direkt von einer "Mumie"?

Das ist je nach Kultur und Verfahren unterschiedlich, bei den Ägyptern dauerte die Balsamierung in der Regel 70 Tage. Der einbalsamierte Körper wird unmittelbar danach als Mumie bezeichnet.

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