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Ägypten

Ein Blick in die Ausstellung des frühen Alten Reiches ©Roemer- und Pelizaeus-Museum (Sh. Schalchi)

Das Pelizaeus-Museum beherbergt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen altägyptischer Kulturdenkmäler. Herausragend sind dabei die Schätze des Alten Reiches aus dem Zeitalter der großen Pyramiden.

Wilhelm Pelizaeus, der Stifter der Sammlung, übergab seine Antiken im Jahr 1907 an die Stadt Hildesheim, wo 1911 das Pelizaeus-Museum eröffnet wurde. 2011 feiert das RPM den 100. Geburtstag seiner Sammlung mit einem großen Jahresprogramm. Dieses startet am 26. Februar mit der Eröffnung des dritten und letzten Teils der ägyptischen Dauerausstellung: Der Tod in der Wüste.

Insgesamt über 8000 Sammlungsstücke repräsentieren die wichtigsten Epochen der  Kultur Ägyptens von der vordynastischen bis in die christliche Zeit. Aus einer Zeitspanne von rund 4000 Jahren finden Sie außergewöhnliche Kunstwerke ebenso wie Werkzeuge und landwirtschaftliches Gerät. Zeugnisse altägyptischen Humors stehen neben denen des tief verwurzelten Jenseitsglaubens und beleben so die gesamte Spanne des Lebens im Alten Ägypten.

Das Alte Reich

Die Statue des Hem-iunu im Kontext der Pyramiden ©Roemer- und Pelizaeus-Museum (Sh. Schalchi)

Der erste Teil der Dauerausstellung widmet sich den Anfängen der altägyptischen Geschichte (ca. 3150 - 2707 v. Chr.) bis zur ersten Blüte der Hochkultur in der Zeit des Alten Reiches (2707 - 2216 v. Chr). Unter dem Thema „Von der Mastaba zur Stufenpyramide“ finden sich Zeugnisse der vorgeschichtlichen Epoche, die frühe Götterverehrung, aber auch erste Beispiele des Kunsthandwerks. Der Besucher kann nachvollziehen, wie aus einfachen Grubengräbern Pyramiden wurden. Bereits in der Antike wurde die Pyramide des Cheops zu einem der Weltwunder erklärt.

Der Bauleiter dieses Monuments war Hem-iunu, der Neffe des Pharaos Cheops. Ihm und seiner Zeit ist ein eigener Raum gewidmet. Die Sitzstatue des Hem-iunu ist das berühmteste Exponat der Hildesheimer Sammlung und steht im Zentrum der Ausstellung. Unter dem Titel „Giza und die großen Pyramiden“ zeigt diese einmalige Figur zusammen mit weiteren Objekten aus Gräbern hoher Würdenträger den Lebensstil der damaligen Führungsschicht. Aus Zeugnissen des Totenkults wie Grabstatuen, Grabreliefs, Scheintüren, sog. Ersatzköpfen und dem außergewöhnliche Statuenkopf des Pharao Chephren als Repräsentanten königlicher Kunst erschließt sich bis heute die Machfülle und kulturelle Blüte dieser Zeit.

Viele weiterführende Informationen zu einzelnen Exponaten und über deren Fundort stehen über einen Touchscreen-Monitor zur Verfügung.  Mit Hilfe dieser Multimediastation kann der Besucher virtuell an den Grabungen in Giza teilhaben. Anhand alter Fotos, Briefe und der Grabungsdokumentation entsteht das Bild der wissenschaftlichen Spurensuche.

Im dritten Raum der Dauerausstellung bilden die Objekte des späten Alten Reiches  einen weiteren Themenschwerpunkt: „Aus der Zeit der Sonnenheiligtümer“ präsentiert die Denkmäler der 5. Dynastie (2405 - 2347 v. Chr.), darunter auch die berühmte Statue des Schreibers Heti.
Der zeitlichen Entwicklung weiter folgend, begegnen uns außerdem Dienerfiguren, die speziell im Alten Reich verbreitet waren. Sie sollen den Verstorbenen im Jenseits mit allem Nötigen versorgen und sind unter anderem bei Kornmalen, Brotbacken und Bierbrauen dargestellt.

Das Leben am Nil

Landwirtschaftlicher Alltag im alten Ägypten ©Roemer- und Pelizaeus-Museum (Sh. Schalchi)

Im Bereich „Das Leben am Nil“  zeugen über 600 Exponate von der Vielfalt des altägyptischen Lebens im Alltag. Der erste Raum ist unter dem Titel „Horus und Heiland“ der Religion des Alten Ägypten gewidmet. Die Ausstellungsarchitektur bildet einen Tempeleingang nach, vor dem Statuen, Weihungen und Tempelgerät die vielfältige ägyptische Götterwelt repräsentieren. Der Besucher erhält auf diese Weise einen Eindruck vom Zusammenhang der Objekte am ursprünglichen Fundort. So lässt sich auch der Unterschied zwischen Tempelkult und persönlicher Frömmigkeit der einfachen Menschen nachvollziehen. Die außergewöhnliche Gruppe sogenannter Horbeit-Stelen, die Privatleute in Anbetung vor dem Pharao Ramses II. zeigen, ist in diesem Zusammenhang besonders zu erwähnen.

Die Reliefs aus der Amarnazeit werfen ein Schlaglicht auf den ersten Ein-Gottglauben (Monotheismus) in Ägypten. Aber erst mit Aufkommen des Christentums, dem ein eigener Bereich gewidmet ist, setzt sich die Idee des Monotheismus dann durch. Unter der Überschrift „Handel und Handwerk“ wird im zweiten Raum eine Basarstraße zum Leben erweckt. Hier kann der Besucher von Ladengeschäft zu Ladengeschäft flanieren und erfahren, welche Vielfalt die Wirtschaft im Alten Ägypten zu bieten hat. Landwirtschaftliche Modelle aus der Zeit des Mittleren Reiches geben lebendige Einblicke in den Arbeitsalltag, während Münzen zeigen, daß der Geldverkehr erst durch die Griechen nach Ägypten gelangt ist.

Neben dem Handel werden in Werkstätten auch die verschiedenen Materialien vorgestellt, aus denen Handwerker ihre Kunstwerke schufen. Neben Glas, Ton und Stein steht die Metallverarbeitung im Zentrum. Durch einen glücklichen Umstand besitzt das Roemer-und Pelizaeus-Museum eine umfangreiche Sammlung an Bronzerohlingen und Formen sowie Abgüssen aus Gips, mit deren Hilfe sich die Arbeitsschritte des Bronzegusses sehr gut darstellen lassen.

Im dritten Raum erhält der Besucher einen Einblick in „Haus und Hof“. Die Ausstellungsarchitektur empfindet ein altägyptisches Haus nach, in dem der Besucher von Zimmer zu Zimmer wandern und den Ägyptern „in die Töpfe schauen“ kann. Ein speziell für die Ausstellung gebautes Modell zeigt die Struktur eines Privathauses aus der Amarna-Zeit (um 1350 v. Chr.). Abnehmbare Dächer erlauben detaillierte Einblicke in das Modell.

In der rekonstruierten Hausarchitektur befinden sich nachgestaltete Wohnräume mit Möbeln, Kacheln, Kochgeschirr, Kosmetik- und Waschgefäßen, Textilien und auch mit kostbarem Schmuck. Dieser stammt sowohl von privaten als auch von königlichen Besitzern. Ein weiterer Teil des Hauses ist den Ergebnissen der Ausgrabung in Qantir gewidmet, der ehemaligen Hauptstadt Ramses´ II., die seit über 25 Jahren vom Roemer- und Pelizaeus-Museum ausgegraben und dokumentiert wird.

Der Tod in der Wüste

Sarkophag des Amenemope, Neues Reich, 18. Dynastie, 1504-1492 v. Chr. ©Roemer- und Pelizaeus-Museum (Sh. Schalchi)

Die Neuaufstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum

Der dritte Teil der Dauerausstellung thematisiert den Teil altägyptischer Altertümer, der als wichtigste Quelle dieser Kultur angesehen werden kann: den Jenseitsglauben.
Gegliedert in die Bereiche „Mensch“ und „Tier“ werden die beiden wichtigsten Bestattungsformen aufgegriffen. Denn für den ägyptischen Glauben ist nicht nur die ewige Versorgung des Menschen, sondern auch die der Tiere bedeutsam, die in ihrer Erscheinung einzelne Götter repräsentieren. Die Ausstellung zeigt in eindrucksvollen Beispielen Grabarchitektur der Privatleute, darunter die Hildesheimer Kultkammer aus der Mastaba des Uhemka sowie den Nachbau des berühmten Grabes des thebanischen Bürgermeisters Sen-nefer. Särge, Mumien, Mumienmasken aus verschiedenen Zeiten, Amulette und Uschebtis repräsentieren eine ideale Grabausstattung und verdeutlichen den Vorgang der Mumifizierung.

Besonderes Augenmerk wird auf das Individuum gelegt, das sich nach dem Tod in einzelne Wesenseinheiten aufspaltet und viele Gefahren überstehen muss, um im Gefilde der Seligen anzukommen.
Die bedeutenden Reliefs aus der Kultkapelle des Gottes Thot aus dem mittelägyptischen Tuna el-Gebel (3. Jh. v. Chr.) werden in einer architektonischen Nachempfindung der unterirdischen Kammer präsentiert. So kann der Besucher einen Eindruck von dem Kult um den ibis- oder paviangestaltigen Gott gewinnen, wie sonst nur vor Ort in Ägypten. Tiermumien und Tiersärge illustrieren die Vielfalt der ägyptischen Fauna und gleichzeitig auch die Vielfalt der ägyptischen Götterwelt .

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