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Den Sammlern auf der Spur:
Ethnologische Provenienzforschung am Roemer- und Pelizaeus-Museum
verlängert bis zum 12. Januar 2020

Ein Bronzekopf aus Benin, den das RPM 1913 durch Vermittlung Edgar Waldens vom Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin erwarb. Der Königspalast in Benin-City war 1897 von britischen Truppen geplündert worden, woraufhin 4.000 wertvolle Bronzegüsse in den internationalen Kunsthandel gelangten.
Bronze-Porträtkopf eines Herrschers. Königreich Benin, Nigeria, Inv.-Nr. V 6.334. Wahrscheinlich Kriegsbeute aus einer britischen „Strafexpedition“ 1897. © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Was ist Provenienzforschung?

Provenienzforschung - die Untersuchung der Herkunft und Erwerbungsumstände von Gegenständen in Museumssammlungen - wird in Zusammenhang mit Kunstwerken, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf unrechtmäßigem Wege in Museen gelangten, bereits seit längerer Zeit in Deutschland intensiv betrieben.

Im Hinblick auf sogenannte sensible Objekte (z. B. religiöse Gegenstände oder Kriegsbeute aus kolonialen Kontexten) in ethnologischen Museumssammlungen steckt diese Art der Forschung demgegenüber noch in den Kinderschuhen. Bislang konzentrierte sie sich hauptsächlich auf menschliche Überreste aus außereuropäischen Kulturen, die unter fragwürdigen Umständen gesammelt wurden und deshalb bisweilen nach sorgfältiger Prüfung an die Nachfahren der Verstorbenen oder ihre Herkunftsethnien zurückgegeben werden. Inzwischen weitet sich die Provenienzforschung aber zunehmend auf andere Bestände der Sammlungen aus, bei denen es sich nicht um menschliche Überreste handelt.

2017/2018 wurde am Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim ein erstes Projekt zur ethnologischen Provenienzforschung durchgeführt. Ergebnisse dieser Forschung waren bis 31. März 2019 in der Ausstellung "Mit 80 Objekten um die Welt" zu sehen und werden nun in der Ausstellung "Den Sammlern auf der Spur" weiterhin präsentiert. Ergänzt werden sie jetzt durch eine Serie eindrucksvoller Porträts von Ostafrikaner/innen des Künstlers Walter von Ruckteschell. Die 1921 veröffentlichte Mappe mit den lithografierten Bildnissen diente der Propaganda für eine Wiedererlangung der deutschen Kolonien. Komplette Exemplare dieser Mappe wie dieses aus den Beständen der Grafischen Sammlung des RPM sind eine Rarität. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Restaurator Dagobert Warnecke ausgewählt und von ihm für die Ausstellung vorbereitet.

Das Provenienzforschungs-Projekt am RPM 2017/2018

Brustschmuck aus Krallen des Riesengürteltiers. Bororó, Brasilien, Inv.-Nr. V 3.230. Erworben im Tausch gegen europäische Gebrauchsgegenstände. Sammlung Karl von den Steinen 1887/1888. © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Das Projekt zur Erforschung der Erwerbungshintergründe ethnografischer Objekte aus der Sammlung des RPM entstand in Zusammenhang mit der Ausstellung "Mit 80 Objekten um die Welt", die vom 11.02.2017 bis 31.03.2019 im Museum zu sehen war. Die Kuratorin der Ausstellung, Frau Dr. Andrea Nicklisch, untersuchte zusammen mit der Ethnologin Dr. Sabine Lang die Herkunftsgeschichte (Provenienz) von Objekten, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus dem Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin (heute Ethnologisches Museum) an das damalige Städtische bzw. Roemer-Museum gelangt sind. Dies geschah im Tausch, als Geschenk oder durch Kauf. Das Gros der Gegenstände stammt aus kolonialen Zusammenhängen. So sammelten etwa Angehörige der sogenannten "Schutztruppen", aber auch Zivilbeamte - teilweise im Auftrag und mit Hilfe einer gedruckten Anleitung - Ethnographica in den deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien. Objekte, die im Berliner Museum als bereits vorhanden eingeordnet wurden, bot man in speziellen Katalogen den ethnografischen Sammlungen und Museen im gesamten deutschen Reichsgebiet an. Aber auch Objekte, die in Kolonien anderer Länder gesammelt worden waren (z. B. in Indien), gelangten über das Königliche Museum für Völkerkunde nach Hildesheim.

Eine zentrale Figur bei diesen Transaktionen war der Berliner Geograph und Ethnologe Edgar Walden, der nach dem plötzlichen Tod des vormaligen Direktors des Roemer-Museums, Achilles Andreae, 1905/1906 interimistisch das Museum leitete. Er war zuvor "wissenschaftlicher Hilfsarbeiter" am Berliner Museum gewesen, verfügte über ausgezeichnete Kontakte zu den dortigen Wissenschaftlern und kannte sich in den Sammlungsbeständen des Königlichen Museums für Völkerkunde bestens aus. Auch nach seiner Rückkehr nach Berlin blieb Walden dem RPM verbunden und betreute weiterhin die ethnologische Sammlung. Er war zwar eigentlich auf Ozeanien spezialisiert und hatte unter anderem 1907/1909 an der Deutschen Marine-Expedition nach Neuguinea teilgenommen. Trotzdem baute er die Hildesheimer Sammlung umsichtig aus und verhalf ihr zu bedeutenden Erwerbungen aus verschiedenen Weltgegenden, bis er im Dezember 1914 im Ersten Weltkrieg fiel. Darunter befanden sich unter anderem Waffen, die nach dem Maji-Maji-Krieg (1905-1907) aus dem damaligen Deutsch-Ost-Afrika als "Kriegsbeute" nach Berlin gelangt waren.

Ziel des Projektes war eine Klärung der Umstände, unter denen die fraglichen Objekte gesammelt oder erworben wurden, die Zusammenstellung von Sammlerbiografien sowie die Erstellung einer Publikation mit den Forschungsergebnissen. Der Schwerpunkt lag hier zwangsläufig auf den ehemaligen deutschen Kolonien. Es muss jedoch auch die Kolonialgeschichte anderer europäischer Mächte berücksichtigt werden, aus deren Herrschaftsbereichen ebenfalls Gegenstände in der Sammlung des RPM stammen. 

Die ethnologische Provenienzforschung am RPM geht weiter

Dose in Form einer Durian-Frucht. Java, Inv.-Nr. V 5.897. Sammler und Erwerbungsumstände bislang unbekannt. Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert. © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Im Rahmen des von der VW-Stiftung geförderten Verbundprojektes "Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen" (PAESE) ist die Ethnologin Dr. Sabine Lang nunmehr bis Oktober 2021 weiteren Sammlern und den Umständen auf der Spur, unter denen sie ethnologische Objekte erworben haben. Es geht diesmal um Stücke aus Ozeanien und Namibia in den Beständen des RPM. Auch Ergebnisse dieses neuen Projekts werden im RPM 2019 anlässlich des 175. Jahrestages der Gründung des Museumsvereins ("Verein für Kunde der Natur und der Kunst im Fürstenthum Hildesheim und in der Stadt Goslar") in kleinen Ausstellungen zu sehen sein.

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Sonntag, 15.12.2019, 15.30 Uhr

Sonntag, 22.12.2019, 15.30 Uhr

Vortragsreihe der Fördervereine des RPM
Im Land der lebenden Toten – Zombies und Zombifikation in Haiti

Montag, 13.01.2020, 18.30 Uhr

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