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KunstModell: Modelle im Alten Ägypten

1. Hildesheim, Roemer- und Pelizaeus Museum, PM 18. Bierbrauer. Kalkstein, bemalt. Höhe: 36 cm. Aus der Mastāba des Djascha, in Giza, westlicher Beamtenfriedhof. 6. Dynastie, um 2250 v. Chr. (Foto: RPM, Shahrokh Shalchi)
2. Hildesheim, Roemer- und Pelizaeus Museum, PM 1696. Melkszene. Sykomorenholz, bemalt. Höhe: 23 cm. Wohl aus einem Beamtengrab in Asiut. 11. Dynastie, um 2000 v. Chr. (Foto: RPM, Shahrokh Shalchi)
3. Hannover, Museum August Kestner, 1935.200.169. Modell einer Papyrusrolle. Kalkstein. Länge: 29,5 cm (d.h. „Originalgröße“ einer Papyrusrolle). Herkunft unbekannt. Wohl Neues Reich, 18. Dynastie, um 1400 v. Chr. (Foto: Museum August Kestner; Christian Tepper, Museumsfotograf)

Für eine gemeinsame Systembeschreibung von Modellen und Kunstwerken aus den alten Kulturen Nordostafrikas. Objekte aus den Sammlungen des Museum August Kestner in Hannover und des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Seit Juli 2018 arbeiten Ägyptologen des Roemer- und Pelizaeus-Museums in einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt mit Wissenschaftler*innen primär aus Hannover, Kiel und Wismar zusammen, um der Bedeutung von Modellen in der Kultur des pharaonischen Ägypten auf die Spur zu kommen. Dabei werden erstmals traditionell ägyptologische Ansätze mit innovativen kunsttheoretischen und informatorischen Methoden verbunden und die verschiedenen Perspektiven in enger Abstimmung der Projektpartner weiterentwickelt; das Ziel ist die Entschlüsselung der Funktion der Modelle bzw. der "Sprache der Objekte".

Das Projekt geht auf die Initiative der Kunsthistorikerin Professor Dr. Susanne Deicher von der Hochschule Wismar (University of Applied Sciences, Technology, Business and Design) zurück, die dafür die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sichern konnte und die das Verbundprojekt leitet und zusammen mi dem Wismarer Kunsthistoriker Dr. Erik Maroko koordiniert.
Für das Roemer- und Pelizaeus-Museum bedeutet dies die Kooperation in einem der innovativsten Forschungsprojekte, das archäologisch-geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Perspektiven verbindet und so die vertiefte Erschließung eines wesentlichen Teils der berühmten Hildesheimer Ägyptensammlung ermöglicht. Die Hildesheimer Projektleitung liegt bei Dr. Christian Bayer. Er wird von Dr. Helmut Brandl unterstützt, der auf einer auf drei Jahre befristeten Wissenschaftlerstelle speziell für dieses Projekt tätig ist.
Weitere institutionelle Partner sind das Museum August Kestner in Hannover, dessen altägyptische Modelle gleichfalls Forschungsgegenstand sind (Ägyptologe Dr. Christian E. Loeben) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der dortige Lehrstuhl für Technologie der Informationssysteme steuert hoch geschätztes Knowhow zur konzeptuellen Modellierung bei (Professor Dr. Bernhard Thalheim, Paul Bartel, M.Sc.). Zusätzlich sind Wissenschaftler*innen der ägyptischen South Valley University und des Luxor-Museums, der Prager Karls-Universität und der Universität Zürich als externe Experten eingebunden.

Das Corpus der zu erforschenden Projekte ist sehr heterogen. Es umfasst rundplastische und flachbildliche (!) Darstellungen der Lebensmittelproduktion, z. B. steinerne oder hölzerne Figuren von Müllerinnen, Bäckern und Brauern (Abb. 1), die sich v. a. in Elitegräbern des Alten und Mittleren Reichs (3. bzw. 2. Jahrtausend v. Chr.) fanden. Am bekanntesten sind vielleicht die Ensembles figürlicher Modelle, die - scheinbar - einen ungekünstelten Einblick in die altägyptische Lebenswirklichkeit geben (Abb. 2). Als Modelle werden aber auch Relief- und Skulptursstudien aus Kalkstein, Gips oder Gipsmörtel bezeichnet, die sich vor allem aus der hellenistischen Periode erhalten haben und wohl in einem ganz anderen Zusammenhang verstanden werden müssen (4.- bis 1. Jahrhundert v. Chr.). Nicht ausgehöhlte "Gefäße" aus Kalzit-Alabaster, Miniaturwerkzeuge wie beispielsweise Hacken und Dächsel aus Kupfer, nicht entrollbare Papyrusrollen aus Kalkstein (Abb. 3) oder nicht klingende Musikinstrumente aus Fayence, die wohl als Opfergaben in die Tempel gestiftet wurden, sind weitere Zeugen der altägyptischen "Modelle-Kultur". In der religiösen Vorstellungswelt der Ägypter besaßen all diese Objekte zwar keinen praktischen, diesseitigen Sinn, doch konnten sich ihre virtuellen Qualitäten auf magische, durch Rituale belebte Weise in der Sphäre der Götter und der verewigten Toten zu deren Nutzen entfalten.

Kontakt: kunstmodell(at)rpmuseum.de

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