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Die Provenienzforschung an der ethnologischen Sammlung des RPM geht weiter

Haarschmuck (lakasaka), Mikronesien, Karolinen-Archipel, Mortlock-Inseln. Inv.-Nr. V 6 (Museum Godeffroy Inv.-Nr. 686). Sammler: Johann Stanislaus Kubary (1846–1896). © RPM, Foto: Sh. Shalchi
Fächer (ili), Polynesien, Samoa. Inv.-Nr. V 18 (ohne Inv.-Nr. Museum Godeffroy). Sammler: möglicherweise Eduard Graeffe (1833–1916). © RPM, Foto: Sh. Shalchi
Hut mit Perlenschleier, Niederländisch-Indien (Indonesien), Sulawesi, Alfuren. Inv.-Nr. V 3.619. Vor 1860. Sammler: Dr. Hermann Muhlert (1816–1870). © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Besondere Relevanz erhält ethnologische Provenienzforschung vor dem Hintergrund gegenwärtiger Debatten, in denen die Rückgabe von ethnologischen Objekten, die in der Kolonialzeit gesammelt wurden, an ihre Herkunftsgesellschaften gefordert wird. Im Rahmen des von der VW-Stiftung geförderten Verbundprojektes "Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen" (PAESE) ist die Ethnologin Dr. Sabine Lang daher nun bis Oktober 2021 weiteren Sammlern und den Umständen auf der Spur, unter denen sie ethnologische Objekte erworben haben. Es geht diesmal um Stücke aus Ozeanien, Indonesien und Namibia in den Beständen des RPM. Bezüglich Namibias findet eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Volksgruppen der Nama und Herero statt, von denen die Objekte stammen.

Bereits 2017/2018 gab es am RPM ein erstes Provenienzforschungs-Projekt an Teilen der ethnologischen Sammlung, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts vom damaligen Königlichen Museum in Berlin an das Roemer-Museum gelangten, darunter ein Bronzekopf aus Benin und "Kriegsbeute" aus dem Maji-Maji-Krieg (1905-1907) in Tansania, damals die Kolonie Deutsch-Ost-Afrika. Ergebnisse dieser Forschung sind jetzt in der Ausstellung "Den Sammlern auf der Spur: Ethnologische Provenienzforschung am Roemer- und Pelizaeus-Museum" zu sehen.

Netzwerke in alle Welt im 19. Jahrhundert

Ein Schwerpunkt des Projektes liegt auf Gegenständen, die über Hildesheimer an das Museum kamen. Eine Schlüsselfigur ab den frühen 1870er-Jahren war beispielsweise ein Cousin der Roemer-Brüder, Gottfried Ludwig Dyes (1831-1903), der Erbauer der gleichnamigen Villa in Hildesheim. Er war Großkaufmann und österreichischer Generalkonsul in Bremen mit weitreichenden Beziehungen in verschiedene Teile der Welt und einflussreiche politische Kreise. Diese Netzwerke und seine finanziellen Mittel nutzte er, um dem Hildesheimer Museum großzügig ethnologische Sammlungen - so etwa aus Namibia (1884/1885, Sammlung Höpfner) und Ozeanien (1883, Sammlung Zembsch) - zum Geschenk zu machen. Den Erwerbungsumständen dieser Sammlungen geht Sabine Lang nun unter anderem in Archiven nach.

Waffen aus Namibia

Ebenfalls aus Namibia stammt ein Dutzend Waffen mit dem Herkunftsvermerk "Waterberg" (dem Ort des entscheidenden Gefechtes zwischen den Herero und den deutschen "Schutztruppen" 1904). Sie befanden sich einst im Besitz von Wilhelm Eich (1850-1935), Missionar und zeitweiliger Präses der Rheinischen Mission in Namibia. Nach seinem Tod schenkte sein Sohn, der Oberturnlehrer und Korvettenkapitän Willibald Eich (1886-1960), der in Namibia geboren, aber seit 1922 in Hildesheim ansässig war, diese Waffen dem RPM. Recherchen in den umfangreichen Aufzeichnungen Wilhelm Eichs im Archiv der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal haben mittlerweile ergeben, dass die Waffen auf keinen Fall "Kriegsbeute" vom Gefecht am Waterberg sein können. Eich leitete seit 1891 die Missionsstation in Otjozondjupa, die bald darauf in "Waterberg" umbenannt wurde. Er verließ sie beim Ausbruch erster Unruhen im Februar 1904, lange vor der "Schlacht am Waterberg" im August desselben Jahres. Die Information "Waterberg" bezieht sich also auf den Namen der Missionsstation, nicht auf das Gefecht. Eich muss die Waffen vor dem Hererokrieg erworben oder möglicherweise von Herero geschenkt bekommen haben.

Das Museum Godeffroy

Objekte aus Ozeanien, die bereits vor Beginn der deutschen Kolonialherrschaft gesammelt wurden, erwarb das Museum in den 1870er- und 1880er-Jahren aus den Beständen des Hamburger Museums Godeffroy. Für sein Museum beauftragte der in Ozeanien sehr aktive Kaufmann Johan Cesar Godeffroy VI (1813-1885, Spitzname: "König der Südsee") seine Kapitäne, ab Anfang der 1860er-Jahre außerdem Wissenschaftler, dort naturkundliche und ethnologische Sammlungen anzulegen, von denen erhebliche Teile an andere Museen verkauft wurden. Nach der Insolvenz der Firma "Joh. Ces. Godeffroy & Sohn" wurden schließlich die gesamten verbleibenden Bestände des Museums verkauft. Auch hier soll durch Recherchen in Archiven und anderen Quellen Licht in die Erwerbungsumstände gebracht werden.

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