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Stadtgeschichte

Im rekonstruierten Knochenhauer-Amtshaus präsentiert das Stadtmuseum die Geschichte Hildesheims. Hier wird das faszinierende historische Panorama einer Stadt erlebbar, die in zwölf Jahrhunderten europäischer Geschichte ein unverwechselbares kulturelles und politisches Profil entwickelte.

Der Besucher des Stadtmuseums begibt sich auf eine Zeitreise in die Kulturgeschichte. Sie beginnt in den Erdzeitaltern Perm, Trias und Jura, als die Region noch unter der Meeresoberfläche lag, wovon eine Vielfalt an versteinerten maritimen Lebewesen zeugt. Dinosaurierknochen und Mammutzähne verweisen auf die ersten Festland-Bewohner in diesem Gebiet. An die Anfänge der menschlichen Besiedlung erinnern Skelette aus 5000 Jahre alten Gräbern der „Bernburger Kultur“ im heutigen Hildesheimer Ortsteil Bavenstedt.

Die wichtigste Entdeckung, die der Boden Hildesheims barg, machten preußische Soldaten, die 1868 einen Schießstand bauen wollten und dabei auf einen Hort von rund siebzig prächtigen silbernen Gefäßen stießen. Der „Hildesheimer Silberfund“ ist der bedeutendste Schatz aus römischer Zeit, der nördlich der Alpen gefunden wurde. Zwar beanspruchte die Antikensammlung in Berlin die Originale für sich, das Stadtmuseum kann jedoch qualitätvolle Nachbildungen zeigen, die schon bald nach der Entdeckung dieser Stücke in deutschen, englischen und französischen Manufakturen gefertigt wurden. Die reich verzierten Schalen, Becher und Kannen avancierten im Zeitalter des Historismus zu begehrten Vorbildern für das Kunstgewerbe.

Das Mittelalter war die hohe Zeit Hildesheims. Mit ihren großen romanischen Kirchen zählte die Stadt der Bischöfe Bernward und Godehard zu den religiösen und kulturellen Zentren Norddeutschlands. Die Stadtarchäologen haben bei ihren Ausgrabungen zahlreiche Alltagsgegenstände gefunden, die vor allem aus dem Spätmittelalter stammen. Dazu zählt das Inventar einer Badestube aus dem 14. Jahrhundert, die zu den am besten erforschten historischen „Wellness-Oasen“ in Deutschland gehört.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden in Hildesheim hervorragende Zeugnisse der kirchlichen Holzskulptur. Eine Auswahl von Heiligenfiguren, die für Hospitäler und Klöster geschaffen wurden, ist im Stadtmuseum zu sehen. Als Demonstration bürgerlichen Selbstbewusstseins entstanden zur gleichen Zeit die mit Schnitzereien und Malereien versehenen Fachwerkhäuser, für die Hildesheim bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg berühmt war. Besonders reich ausgestattet waren die Gilde- und Zunfthäuser, zu denen auch das 1529 erbaute Knochenhauer-Amtshaus zählt. Zahlreiche Knaggen und Windbretter dieser Gebäude wurden bereits um 1900 ins Museum gebracht und haben deshalb den Feuersturm vom 22. März 1945 überstanden.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Bistum überwiegend von Bischöfen aus der Herrscherfamilie der Wittelsbacher regiert, die ihre Hauptresidenz nicht in Hildesheim unterhielten. Erst 1763 ließ sich mit Friedrich Wilhelm von Westphalen wieder ein Fürstbischof dauerhaft in der Stadt nieder. Für seine Residenz schaffte er zahlreiche kostbare Ausstattungsstücke an. Dazu gehört auch das in Augsburg gefertigte Tafelsilber, das zu den wichtigsten heute noch komplett erhaltenen Rokoko-Servicen gehört. Auf die Aufklärungsbewegung, die das geistige Klima des 18. Jahrhunderts prägte, verweisen Objekte zur Geschichte der Freimaurerei.

Möbel aus dem Biedermeier und dem Empire stehen für die bürgerliche Wohnkultur des 19. Jahrhunderts, während Pokale, Zunftladen und Siegel die fortdauernde Bedeutung der Handwerkerverbände verdeutlichen. Die aufkommende Industrialisierung prägte Hildesheim weniger stark als andere Städte. Aber auch hier entstanden große Fabriken. Typische Produkte „made in Hildesheim“ sind im Stadtmuseum zu sehen, darunter ein „Sparherd“ der Firma Senking, die auch die Küche des Berliner Reichstages ausstattete. Zum Abschluss seines Rundgangs durch die Stadtgeschichte kann der Besucher auf den Holzbänken einer Straßenbahn Platz nehmen, um eine filmische Reise durch das vergangene Straßenbild Hildesheims zu erleben.

Die Bestände des Stadtmuseums gehen auf die 1844 begründete Roemer-Sammlung zurück. Damit zählt das Haus zu den ältesten regionalhistorischen Instituten Deutschlands. Das Stadtmuseum kann auf eine Sammlung von etwa 50.000 Objekten zurückgreifen. Sein wichtigstes Ausstellungsstück ist aber das Knochenhauer-Amtshaus, in dem es seit 1990 beheimatet ist. Der Besucher dringt bis auf den Spitzboden dieses Gebäudes vor und erhält dadurch einen unmittelbaren Eindruck von der Handwerkskunst der Zimmerleute, die das Holzständerwerk des „schönsten Fachwerkhauses der Welt“ nach alten Traditionen in den Jahren 1987 bis 1989 wieder errichtet haben.

Ergänzend zur Dauerausstellung zeigt das Stadtmuseum wechselnde Ausstellungen zu einzelnen Aspekten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Hildesheims. Museumspädagogische Aktivitäten wie Führungen, Workshops und Kindergeburtstage erleichtern den jungen und alten Besuchern die Zeitreise. Die fünf Etagen des Stadtmuseums im Knochenhauer-Amtshaus sind barrierefrei zugänglich.

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