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Die Sammlungen Ernst Ohlmer und Max von Brandt. Sammlungspraktiken im China der späten Qing-Zeit (1875-1914)

Vase, China. Inv.-Nr. 10.931. Ming-Dynastie, 2. Hälfte 16. Jh. Sammler: Max von Brandt (1835–1920), Schenker: Ernst Ohlmer (1847–1927). © RPM, Foto. Sh. Shalchi

Das am RPM angesiedelte Projekt (Laufzeit 1. Juni 2022 – 31. Mai 2023) widmet sich Ernst Ohlmer (1847-1925), dem das Museum seine Sammlung chinesischen Porzellans verdankt – eine der bedeutendsten in Europa, denn die Porzellane kommen überwiegend aus der Produktion der kaiserlichen Werkstätten. Es handelt sich jedoch nicht um sogenanntes Exportporzellan, das für den europäischen Markt bestimmt war. Die Hildesheimer Sammlung spiegelt vielmehr den Geschmack der chinesischen Elite jener Zeit einschließlich des kaiserlichen Hofes wider. Einen Teil dieses Porzellans übernahm Ohlmer von Max von Brandt, der von 1875 bis 1893 kaiserlich deutscher Gesandter in China war. Ohlmer wiederum war von 1868 bis 1914 Mitarbeiter der chinesischen Seezollbehörde, wo er erstmals 1887 eine leitende Funktion (Direktion) einer Zollstelle innehatte. Unter anderem soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern Ohlmer beim Erwerb seiner Sammlung von der politischen Destabilisierung des chinesischen Kaiserreichs durch europäische Interventionen (v. a. Opiumkriege 1839-1842, 1856-1860, Plünderung der kaiserlichen Sommerpalasts 1860) profitierte.

Das Projekt wird von der Sinologin Sabine Hesemann und der Ethnologin Sabine Lang durchgeführt.

Weiterführende Links:

Website des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste DZK

Datenbank des DZK
Forschungsdatenbank PROVEANA

Gefördert wird das Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, der Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Raiffeisenbanken, der Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen und dem Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen.

Provenienzforschung an der ethnologischen Sammlung des RPM

Seit Februar 2017 sind Bestände der ethnologischen Sammlung des RPM Gegenstand von Provenienzforschung. Dabei geht es um eine Klärung der Umstände, unter denen sogenannte Ethnographica (Gegenstände, die von Menschen in Kulturen außerhalb Europas hergestellt und verwendet wurden) in allen Teilen der Welt gesammelt wurden. Das geschah unter anderem in deutschen und anderen Kolonien. In solchen Fällen ist vor allem zu prüfen, ob beim Erwerb von Ethnographica möglicherweise Gewalt im Spiel gewesen ist, etwa bei kriegerischen Auseinandersetzungen.

Besondere Relevanz erhält ethnologische Provenienzforschung vor dem Hintergrund gegenwärtiger Debatten, in denen die Rückgabe von ethnologischen Objekten, die in der Kolonialzeit gesammelt wurden, an ihre Herkunftsgesellschaften gefordert wird.

Für diese Provenienzforschung am RPM ist seit Anfang 2017 die Ethnologin Dr. Sabine Lang zuständig.

Das Verbundprojekt PAESE

Hut mit Perlenschleier, Niederländisch-Indien (heute Indonesien), Sulawesi, Alfuren. Inv.-Nr. V 3.619. Vor 1860. Sammler: Dr. Hermann Muhlert (1816–1870). © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Von November 2018 bis Dezember 2021 war das RPM Teil des von der VW-Stiftung geförderten Verbundprojektes "Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen" (PAESE). Im Teilprojekt am RPM ging es diesmal darum, wie die Direktoren Hermann Roemer, Achilles Andreae und Rudolf Hauthal ihre Netzwerke nutzten, um zwischen 1844 (Gründung des Städtischen Museums Hildesheim, ab 1894 Roemer-Museum) und dem Ersten Weltkrieg die ethnologische Sammlung des Roemer-Museums zu erweitern. In vielen Fällen erwarb das Museum Ethnographica von Sammler/innen, über die noch wenig oder nichts bekannt war. Manche von ihnen waren nach Übersee ausgewanderte gebürtige Hildesheimer/innen. Unter anderem die Rolle solcher Sammler/innen im Kontext des Erwerbs von Ethnographica in der Kolonialzeit war Gegenstand des Teilprojektes. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Stücken aus Ozeanien, Indonesien und der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ (heute Namibia). Bezüglich Namibias fand eine Zusammenarbeit mit Expert/innen aus diesem Land statt.

Ein Buch mit den Ergebnissen ist in Planung, aber Ergebnisse dieser Forschung wurden und werden jetzt schon in drei Ausstellungen vorgestellt: "Südseeschätze: Objekte aus dem Hamburger Museum Godeffroy im RPM" (2020), "Modische Schwergewichte aus Namibia: Traditionelle Kleidung und Schmuck der Hererofrauen" (2020/21), jetzt als virtuelle Ausstellung im Stil eines Dokumentarfilms auf dem YouTube-Kanal des RPM, sowie "Souvenirs aus Neuguinea? Die Sammlung des Ingenieurs Hermann Großkopf", ebenfalls als virtuelle Ausstellung/Dokumentation.

Das erste Provenienzforschungs-Projekt 2017/18

Köcher, Ostafrika, Tansania. Inv.-Nr. V 6.127. Sammler: unbekannt. „Kriegsbeute“ aus dem Maji-Maji-Krieg (1905–1907). Erhalten vom Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin 1913. © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Das erste Projekt beschäftigte sich mit 420 Objekten aus der ethnologischen Sammlung des RPM, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts vom damaligen Königlichen Museum (heute: Ethnologisches Museum) in Berlin an das Roemer-Museum gelangten. Sie stammen aus Nord- und Südamerika, Indien und Indonesien, aber ab 1884 auch aus den deutschen Kolonien. Sämtliche von Angehörigen der deutschen Kolonialmacht in Afrika und „Deutsch-Neuguinea“ gesammelten Ethnographica, aber auch naturkundliche Sammlungen, mussten zentral nach Berlin eingesandt werden. Die Bestände des Königlichen Museums für Völkerkunde wuchsen enorm an. Mehrfach vorhandene Objekte, sogenannte „Dubletten“, verschenkte das Museum an andere Museen im deutschen Kaiserreich, darunter auch an das Städtische Museum/Roemer-Museum in Hildesheim.

Ergebnisse dieses Projekts wurden 2019/20 in der Ausstellung "Den Sammlern auf der Spur" präsentiert. Ausführlich vorgestellt werden die untersuchten Sammler und Sammlungen sowie die Umstände, unter denen Ethnographica erworben wurden, in dem Buch Den Sammlern auf der Spur: Provenienzforschung zu kolonialen Kontexten am Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 2017/18. Es ist 2021 in der Reihe „Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen“ erschienen und als PDF zum Download erhältlich. Das Buch enthält außerdem ein Kapitel über die Geschichte der ethnologischen Sammlung am Roemer-Museum.

"3-Wege-Strategie von Bund und Ländern"

Korb, Zentralafrika, Kamerun, Mbum. Inv.-Nr. V 1.835. Um 1882. Sammler: Eduard Robert Flegel (1852–1886). © RPM, Foto: S. Lang

Am RPM sowie an anderen Museen und Einrichtungen in Deutschland erfolgt gegenwärtig im Rahmen der "3 Wege-Strategie für die Erfassung und digitale Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland", Weg 2, die Digitalisierung von bisher nicht veröffentlichten Beständen der ethnologischen Sammlung. Diese werden in die Deutsche Digitale Bibliothek überführt und dort u. a. Menschen aus den Herkunftsländern der Ethnographica Einblicke in die Bestände ermöglichen.

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