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©RPM, Foto: J. Hoyer

Damenstrümpfe von Judith Rupprecht

Als Beitrag zum Projekt "Schätze des Hildesheimer Landes" präsentiert das Stadtmuseum Hildesheim ein Paar vielfach gestopfter seidener Damenstrümpfe. Es stammt aus dem Besitz von Judith Rupprecht, die es 1944 von ihrer Mutter erhielt. Ein Bekannter der Familie hatte es in Frankreich gekauft, wo er als Soldat stationiert war.

Judith begann 1944 eine kaufmännisch Lehre bei der Firma Löseke in Hildesheim. Da Seidenwaren während des Krieges nicht erhältlich waren, trug sie die Strümpfe sehr häufig. Auch beim großen Luftangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 hatte sie dieses Paar an. Mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern flüchtete sie zum Galgenberg, wo sie das Bombardement unverletzt überstand. Aus ihrer brennenden Wohnung in der Wollenweberstraße konnten die Mitglieder der Familie noch einige Möbel retten, aber an Kleidung blieb ihnen nur das, was sie am Leibe trugen.

Wie sehr Judith Rupprecht die Strümpfe mochte, sieht man daran, wie häufig sie das Paar gestopft hat. An jedem Sonntagnachmittag hielt die Familie einen "Stopftag", bei dem sich die junge Frau regelmäßig auch diese Strümpfe vornahm. 

Sie trug das Paar bis zur Währungsreform im Juni 1948. Erst danach kamen wieder Seidenwaren auf den Markt. Die mühsame Tätigkeit des Stopfens ist in unserer heutigen Konsumwelt fremd geworden. Durch die Erinnerungen, die sich mit diesem Paar Strümpfe verbinden, und auch durch die vielen Arbeitsstunden, die Judith darin investiert hat, wird es für sie, aber auch für uns, zu einem "Schatz".

Stadtgeschichtliche Sammlung des Roemer-Museums, Schenkung von Judith Rupprecht, Seide und Stopfgarn 1944. Atelier Max Muschiol, Hildesheim, Fotografie 1944, Privatbesitz

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