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Speisen wie zu fürstbischöflichen Zeiten

(©RPM, S.Werner)

Stadtmuseum Hildesheim im Knochenhauer-Amtshaus

Speisen wie zu fürstbischöflichen Zeiten.

„Steht Besuch ins Haus, holt man das gute Geschirr heraus!“ So oder ähnlich heißt es seit Menschengedenken, wenn man seine Gäste beeindrucken möchte. Die Krönung war der Besitz eines silbernen Tafel- und Prunkservices. Konnten sich unsere Groß- und Urgroßeltern wenn überhaupt versilbertes Tafelbesteck leisten, so war es für den hohen Adel und Klerus eine Selbstverständlichkeit, täglich vom Silberteller zu speisen. Denn nicht nur rein silbernes Besteck zu besitzen war unabdingbar, sondern auch Teller, Schüsseln, Kannen, Terrinen und was man noch so alles für eine gute Tafelausstattung benötigte, musste aus purem Silber von meisterlicher Hand angefertigt sein. Ein Highlight dieser Art aus dem Zeitalter des Rokoko ist im Stadtmuseum im Knochenhauer-Amtshaus seit einigen Monaten in einer Neuinszenierung zu bestaunen: Das fürstbischöfliche Tafelsilber!

Fürstbischof Friedrich Wilhelm von Westpalen (* 5. April 1727 in Paderborn; † 6. Januar 1789 in Hildesheim) wurde am 7. Februar 1763 zum Bischof von Hildesheim gewählt und am 23. Oktober im Hildesheimer Dom geweiht. Daraufhin bezog er seine Residenz am Domhof, dem heutigen Generalvikariat. Selbstverständlich wollte er dort standesgemäß Gäste empfangen und bewirten. Hierzu ließ er in Augsburg, der damaligen Hochburg der Gold- und Silberschmiedekunst, ein aus 600 Teilen bestehendes Service anfertigen. Fortan sorgte ein Silberdiener täglich dafür, dass das Geschirr zu den Mahlzeiten rechtzeitig auf dem Tisch stand und abends im Tresor verschwand.

Als das Fürstbistum Hildesheim 1802 an Preußen fiel, blieb das Service zunächst auf dem Domhof in Gebrauch. Erst 1825 gelangte es in den Besitz der Welfen. König Ernst August von Hannover ließ die Initialen EAR neben dem fürstbischöflichen Wappen anbringen.

1981 kam das Silber bei Sotheby´s in Genf zur Auktion. Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim und das Bayerische Nationalmuseum in München erwarben – unterstützt von Spenden aus der Bevölkerung – etwa jeweils die Hälfte des fürstbischöflichen Geschirrs. Beide Sets zusammengenommen gelten heute als das am vollständigsten erhaltene Service, das in Augsburg im Rokoko-Stil geschaffen wurde.

Dr. Stefan Bölke – Kurator (Kunst– und Regionalgeschichte) des Roemer–Museums/Stadtmuseums

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