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Projekt Provenienzforschung am Roemer- und Pelizaeus-Museum
Februar 2017 bis Januar 2018

Ein Bronzekopf aus Benin, den das RPM 1913 durch Vermittlung Edgar Waldens vom Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin erwarb. Der Königspalast in Benin-City war 1897 von britischen Truppen geplündert worden, woraufhin 4.000 wertvolle Bronzegüsse in den internationalen Kunsthandel gelangten.
Ein Bronzekopf aus Benin, den das RPM 1913 durch Vermittlung Edgar Waldens vom Königlichen Museum für Völker- kunde Berlin erwarb. Der Königspalast in Benin-City war 1897 von britischen Truppen geplündert worden, woraufhin 4.000 wertvolle Bronzegüsse in den internationalen Kunsthandel gelangten.

Was ist Provenienzforschung?

Provenienzforschung - die Untersuchung der Herkunft und Erwerbungsumstände von Gegenständen in Museumssammlungen - wird in Zusammenhang mit Kunstwerken, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf unrechtmäßigem Wege in Museen gelangten, bereits seit längerer Zeit in Deutschland intensiv betrieben. Im Hinblick auf so genannte sensible Objekte (z.B. religiöse Gegenstände oder Kriegsbeute aus kolonialen Kontexten) in ethnologischen Museumssammlungen steckt diese Art der Forschung demgegenüber noch in den Kinderschuhen. Bislang konzentriert sie sich hauptsächlich auf menschliche Überreste aus außereuropäischen Kulturen, die unter fragwürdigen Umständen gesammelt wurden und deshalb bisweilen nach sorgfältiger Prüfung an die Nachfahren der Verstorbenen oder ihre Herkunftsethnien zurückgegeben werden. Jüngstes Beispiel ist eine feierliche Zeremonie im Übersee-Museum Bremen, bei der im Mai 2017 Gebeine von Maori und Moriori aus Neuseeland Angehörigen der Herkunftsgesellschaften übergeben wurden.

Das Provenienzforschungs-Projekt am RPM 

Das Projekt zur Erforschung der Erwerbungshintergründe ethnografischer Objekte aus der Sammlung des RPM entstand in Zusammenhang mit der Ausstellung "Mit 80 Objekten um die Welt", die zurzeit im Museum zu sehen ist. Die Kuratorin der Ausstellung, Frau Dr. Andrea Nicklisch, untersucht zusammen mit der Ethnologin Dr. Sabine Lang die Herkunftsgeschichte (Provenienz) von Objekten, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus dem Königlichen Museum für Völkerkunde Berlin (heute Ethnologisches Museum) an das damalige Städtische bzw. Roemer-Museum gelangt sind. Dies geschah im Tausch, als Geschenk oder durch Kauf. Das Gros der Gegenstände stammt aus kolonialen Zusammenhängen. So sammelten etwa Angehörige der sogenannten "Schutztruppen", aber auch Zivilbeamte- teilweise im Auftrag und mit Hilfe einer gedruckten Anleitung - Ethnographica in den deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien. Objekte, die im Berliner Museum als bereits vorhanden eingeordnet wurden, bot man in speziellen Katalogen den ethnografischen Sammlungen und Museen im gesamten deutschen Reichsgebiet an. Aber auch Objekte, die in Kolonien anderer Länder gesammelt worden waren (z.B. in Indien), gelangten über das Königliche Museum für Völkerkunde nach Hildesheim.

Kuratorin Dr. Andrea Nicklisch und Ethnologin Dr. Sabine Lang mit einer Berggeist-Maske von den Yup'ik in Alaska, die Anfang der 1880er Jahre von dem norwegischen Kapitän Johan Adrian Jacobsen auf einer Sammelreise für das Königliche Museum für Völkerkunde Berlin erworben wurde. Aus den umfangreichen Beständen der Sammlung Jacobsen gelangten anschließend ca. 50 Objekte nach Hildesheim.
Kuratorin Dr. Andrea Nicklisch und Ethnologin Dr. Sabine Lang mit einer Berggeist-Maske von den Yup'ik in Alaska, die Anfang der 1880er Jahre von dem norwegischen Kapitän Johan Adrian Jacobsen auf einer Sammelreise für das Königliche Museum für Völkerkunde Berlin erworben wurde. Aus den umfangreichen Beständen der Sammlung Jacobsen gelangten anschließend ca. 50 Objekte nach Hildesheim.

Eine zentrale Figur bei diesen Transaktionen war der Berliner Geograph und Ethnologe Edgar Walden, der nach dem plötzlichen Tod des vormaligen Direktors des Roemer-Museums, Achilles Andreae, 1905/1906 interimistisch das Museum leitete. Er war zuvor "wissenschaftlicher Hilfsarbeiter" am Berliner Museum gewesen, verfügte über ausgezeichnete Kontakte zu den dortigen Wissenschaftlern und kannte sich in den Sammlungsbeständen des Königlichen Museums für Völkerkunde bestens aus. Auch nach seiner Rückkehr nach Berlin blieb Walden dem RPM verbunden und betreute weiterhin die ethnologische Sammlung. Er war zwar eigentlich auf Ozeanien spezialisiert und hatte unter anderem 1907/1909 an der Deutschen Marine-Expedition nach Neuguinea teilgenommen. Trotzdem baute er die Hildesheimer Sammlung umsichtig aus und verhalf ihr zu bedeutenden Erwerbungen aus verschiedenen Weltgegenden, bis er im Dezember 1914 im Ersten Weltkrieg fiel. Darunter befanden sich unter anderem Waffen, die nach dem Maji-Maji-Krieg (1905-1907) aus dem damaligen Deutsch-Ost-Afrika als "Kriegsbeute" nach Berlin gelangt waren. 

Ziel des Projektes ist eine Klärung der Umstände, unter denen die fraglichen Objekte gesammelt oder erworben wurden, die Zusammenstellung von Sammlerbiografien sowie die Erstellung einer Publikation mit den Forschungsergebnissen. Der Schwerpunkt liegt hier zwangsläufig auf den ehemaligen deutschen Kolonien. Es muss jedoch auch die Kolonialgeschichte anderer europäischer Mächte berücksichtigt werden, aus deren Herrschaftsbereichen ebenfalls Gegenstände in der Sammlung des RPM stammen. 

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