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Wir trauern um unseren ehemaligen Direktor des Roemer-Museums und Leiter des Stadtmuseums

Prof. Manfred Boetzkes

© Hildesheimer Allgemeine Zeitung

*04.10.1941 - †25.03.2020

Manfred Boetzkes war seit 1983 Direktor des Roemer-Museums und von 2002-2006 Leiter des Stadtmuseums Hildesheim. Bevor er ans RPM kam, war er Direktor am Deutschen Schloß- und Beschlägemuseum in Verlbert.

In Hildesheim hat mit seinen spannenden naturwissenschaftlichen Ausstellungsthemen im Roemer- und Pelizaeus-Museum unzählige Besucher aller Altersgruppen über Jahre hinweg begeistert. Dazu gehörten Dinos - Das Zeitalter der Saurier 1993, Die Welt der Wale 1995, Insekten! Die heimlichen Herrscher 1996 bis hin zur großen Ausstellung EisZeit. Das große Abenteuer der Naturbeherrschung im Jahr 1999/2000.

Früher als viele andere Museumsdirektoren fand er einen Weg, wissenschaftliche Themen für ein breites Publikum so aufzubereiten, dass sie aktuell, spannend und innovativ gestaltet waren. "Ausstellungen als Erlebnis zu inszenieren" war die Stärke des studierten Theaterwissenschaftlers und Kunsthistorikers, der mit seinem Schaffen nachhaltige Akzente in der deutschen Museumslandschaft gesetzt und neue Besucherkreise angesprochen hat. Seinen modernen Ausstellungsansatz hat der ehemalige Direktor des Roemer-Museums auch im Stadtmuseum im Knochenhauer Amtshaus schon vor 30 Jahren realisiert. Über den Tellerrand zu blicken und den Museumsgästen einen anschaulichen und kritischen Blick in die Geschichte anzubieten, das war sein Credo.

Manfred Boetzkes hat aber auch dafür gesorgt, dass die bedeutenden Sammlungen des Roemer-Museums bessere Unterbringungsmöglichkeiten bekamen, viele wichtige Objekte restauriert werden konnten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Dabei war es ihm stets ein Anliegen die Objekte und Ausstellungen in Bestands- und Ausstellungskatalogen zu veröffentlichen und dadurch eine nachhaltige Zugänglichkeit zu schaffen.

In seinen letzten fünf Berufsjahren war sein Wirken hauptsächlich auf das Stadtmuseum im Knochenhauer Amtshaus ausgerichtet. Dort wurden unter seiner Ägide von 1990 bis 2006 rund 75 Sonderausstellungen präsentiert. Wichtig war für ihn bei der Themenwahl stets der enge Bezug zur Stadtgeschichte. Seine bedeutendste Ausstellung im Stadtmuseum war ohne Frage im Jahr 1997/98: Der Hildesheimer Silberfund. Original und Nachbildung - Vom Römerschatz zum Bürgerstolz, die er zusammen mit Helga Stein realisierte. Erstmalig konnten nach Jahrzehnten wieder große Teile der Originalstücke, die nach ihrem Auffinden nach Berlin gelangt waren, nach Hildesheim ausgeliehen werden.

Von 2001 bis zu seinem Ruhestand verantwortete er außerdem maßgeblich den Beginn der Neukonzeption der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. Gegen Ende seiner Amtszeit war die Sonderausstellung Linie 1 zum 100. Jubiläum der Hildesheimer Straßenbahn im Jahr 2005 ein abschließender Höhepunkt seiner Tätigkeit am Stadtmuseum.

Manfred Boetzkes Interesse galt aber auch der modernen und der zeitgenössischen Kunst. Seine erste Ausstellung, die er 1984 im RPM präsentierte, war dem Werk von Max Klinger gewidmet, aber auch andere bedeutende Künstler wie z. B. Jörg Immendorf und Georg Baselitz erklärten sich bereit, im RPM auszustellen. Boetzkes war Mitbegründer des Hildesheimer "Aschermittwoch der Künstler" im Bischof-Bernward-Jubiläumsjahr 1993 und fühlte sich den regionalen Künstlerinnen und Künstlern eng verbunden, insbesondere dem Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Hildesheims.

Seit 2000 wirkte er außerdem als Honorarprofessor am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim. Die Verbindung von Forschung und Vermittlung war ihm ein wichtiges Anliegen, weshalb unter seiner Ägide auch wichtige Konferenzen sowohl im natur-, als auch im kulturwissenschaftlichen Bereich durchgeführt werden konnten, wie z.B. die Tagung der Paläontologischen Gesellschaft 1995 oder die der Balladenkommission (International Society of Ethnology and Folklore) 1998.

Auch die Bewahrung und Erweiterung der Sammlungen war für ihn von großer Bedeutung und es gelang ihm mehrere wichtige Stücke zu erwerben (z. B. einen Deckelpokal aus Elfenbein mit vergoldeter Kupa, RM, H 3746) sowie bedeutende Zustiftungen und Nachlässe (z. B. des Ethnologen und Forschungsreisenden Karl Helbig) ans RPM zu holen. Darüber hinaus holte er mehrere ausgelagerte oder als Langzeitleihgaben weggegebene Sammlungsbestände wieder zurück nach Hildesheim und verhinderte den von der Stadt Hildesheim erwogenen Verkauf der Münzsammlung.

Seine ehemaligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schätzten seine unkonventionelle und kreative Arbeitsweise und seine den Menschen zugewandte Art. Durch diese konnte er viele Menschen begeistern, was gerade auch bei dem von ihm eingeführten Ehrenamtlichen Dienst im Stadtmuseum eine wichtige Rolle spielte. Manfred Boetzkes war ein Teamplayer als Chef, mit dem auch auswärtige Kollegen und Kolleginnen hervorragend zusammenarbeiten konnten. Darüber hinaus war er ein Visionär in der deutschen Museumslandschaft. Seine Erfolge, vor allem in den 1990er Jahren für das RPM und im Anschluss für das Stadtmuseum Hildesheim bleiben unvergessen.

Die Erinnerung an ihn und sein Schaffen bleiben für uns alle im RPM und Stadtmuseum eine Quelle der Inspiration.

Regine Schulz (Direktorin)

zusammen mit Stefan Bölke, Stefanie Bölke, Margrid Schiewek, Helga Stein und Jürgen Vespermann und allen Mitarbeiter*innen von RPM und Stadtmuseum

Wir verabschieden uns mit persönlichen Worten...

Ausstellungen von und mit Manfred Boetzkes

Publikationen von und mit Manfred Boetzkes

 

 

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