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Biografie

„Das Grabmal des Einhorns“, 1998, Öl auf Hartfaserplatte, 89,6 x 65,8 cm

Waltraute Macke-Brüggemann wurde am 30. August 1913 in Sarstedt bei Hildesheim geboren, zog bald darauf mit ihrer Familie nach Berlin, hielt jedoch stets den Kontakt zu Verwandten hier in der Region. Schon frühzeitig zeigte sich bei ihr eine ausgeprägte künstlerische Begabung. An der renommierten Hochschule für Bildende Künste in Berlin begann sie 1932 mit dem Studium der Malerei und Grafik, das sie 1937 abschloss. Im selben Jahr heiratet sie den Komponisten und Dirigenten Kurt Brüggemann. In den Kriegswirren verschlug es sie und ihren Mann nach Traunstein am Chiemsee, wo das Künstlerpaar eine neue Heimat fand und das von Freunden gerne als „Bayrisches Worpswede“ bezeichnet wurde. Mit Künstlern aus dem Traunsteiner Raum schloss sich Waltraute Macke-Brüggemann 1946 zur Gruppe „Der Rote Reiter“ zusammen und gründete 1949 eine „Gesellschaft zur Förderung des Frauenschaffens“. Die Malerin und Grafikerin ist vor allem als Buchillustratorin bekannt geworden. Sie illustrierte Geschichten von James Krüss, Josef Guggenmoos und Burkhard Nadolny. Zuletzt gab sie mit ihrem Mann drei Opernbücher für Kinder und Jugendliche heraus, für die sie 1992 mit dem „Deutschen Musik-Editions-Preis“ ausgezeichnet wurden. 1999 ehrte der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland die Sechsundachtzigjährige mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande für ihr Lebenswerk.

Werk

„Rede des steinernden Crispinus“, Blatt 2 der Folge „Nachtwachen von Bonaventura“, 1935, Holzschnitt, 12,5 x 9,5 cm

Die Folge von 9 kleinen Holzschnitten aus dem Jahr 1935 zu den „Nachtwachen von Bonaventura“ - eine der wenigen Arbeiten, die sich aus ihrer Studienzeit erhalten hat - ist Beispiel einer Prägung durch die expressionistische Kunst der 1920er Jahre, wie sie Käthe Kollwitz und Ernst Barlach maßgeblich beeinflusste. Nach spätexpressionistischen Anfängen bleibt sie in der Nachkriegszeit entgegen dem vorherrschenden Trend zur Abstraktion einer realistischen Ausdrucksweise verhaftet und intensiviert seitdem das Malen. In einem Brief an die Malerin Katrine Harries, die nach Kapstadt emigriert war, ersehnt sie für die Zukunft „eine Malerei, in der sich Organisches und Geistiges wieder harmonisch durchdringen“. Mit dem Erwerb einer kleinen Kupferpresse wurde die Aquatinta-Radierung ab 1956 ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel.

„Das Einhorn entgiftet das Wasser“, 1975/77

Seit den 1960er Jahren entstehen neben den Radierungen mehrfarbige Linolschnitte, Aquarelle und Gouachen, in denen sie ihre Reiseimpressionen und Anregungen des Alltags im Bild festhält. In zurückhaltender Farbigkeit und einem flächigen, aber feingliedrigen Stil geben ihre Arbeiten Erlebtes und Erdachtes wieder. Ein großer Teil ihrer Werke sind Porträts und Stillleben mit phantastischen Bildelementen. Dabei bringt die Künstlerin scheinbar  Gegensätzliches zusammen und sucht Vertiefung in einer symbolischen Verschlüsselung, die vielfach von dem Vanitasgedanken getragen wird. Mythische und mystische Inhalte beschäftigen sie nachhaltig. Hierbei verliert sie aber nie den Blick für das Gegenwärtige und setzt sich in ihrer eigenen, oft melancholisch-kontemplativ anmutenden Bildsprache mit den Widersprüchen ihrer Zeit auseinander. Gerade im „künstlerischen Suchen ohne Anpassung liegt der Reiz dieser Künstlerin“ (Christian Weisker).

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