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Ägyptologie <=> Ägyptomanie?

Szene aus dem Film © "Die zehn Gebote" von Cecil B. DeMille, 1923
Plakat zum Film »The Mummy« von 1932 von Universal Pictures
Thomas Rowlandson, Modern Antiquities, 1811, New York, Metropolitan. Museum of Art, 59.533.1706 (The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1959, photo: Erica Allen, ©public domain)

In Zeiten der COVID-19-Pandemie werden wissenschaftliche Erkenntnisse im Alltag wieder bewusster wahr- und angenommen. Aber auch tradierte Vorstellungen und Mythen spielen dabei eine Rolle. Beides finden wir auch in der Forschung wieder, die sich mit dem alten Ägypten und seiner späteren Rezeption beschäftigt.

Dabei ist es wichtig, uns bewusst zu machen, dass unser heutiges Ägypten-Bild oftmals aus unterschiedlichsten Richtungen beeinflusst, einseitig interpretiert und auch verfälscht worden ist. Viele Informationen, die wir in Filmen, Romanen oder pseudowissenschaftlichen Präsentationen im Internet finden, beruhen eben nicht auf wissenschaftlichen gesicherten Fakten. So sehen wir in Filmen häufig, dass Sklaven die Pyramiden und Tempel bauen oder Mumien aus ihren Gräbern aufsteigen und gerne Forschern nachjagen. Das sieht auch alles ganz spannend aus und klingt auch sehr interessant, entspringt jedoch hauptsächlich der Fantasie.

Die Ägyptologie ist eine noch recht junge Wissenschaft im Vergleich zu anderen Disziplinen.1822 gelang es dem Franzosen Jean-François Champollion erstmals, die Bedeutung der Hieroglyphen zu erkennen und nach und nach die Schrift zu entziffern. Heute können wir einen großen Teil der altägyptischen Texte lesen und auch verstehen. Da die alten Ägypter sehr viel aufgeschrieben haben und sich durch das trockene Klima eine große Anzahl von Texten erhalten hat, ist neben der archäologischen Feldforschung, die Sprachforschung einen wichtigen Bestandteil der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem alten Ägypten. Allerdings haben Ägyptologen, die sich ernsthaft mit dem alten Ägypten auseinandersetzen, nichts allzu viel mit den vom alten Ägypten begeisterten "Ägyptomanen" gemeinsam.

Unter Ägyptomanen verstehen wir Personen, die sich vom alten Ägypten inspirieren lassen und z.B. ihre Häuser im ägyptischen Stil einrichten oder dekorieren, ohne dabei Wert auf ursprüngliche Zusammenhänge zu legen. Sie beschäftigen sich zwar mit dem alten Ägypten, aber eher als Inspirationsquelle. Ägyptomanie ist also eine Mode, die auf Faszination und ehrlicher Begeisterung beruht, aber nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die oft bewusst nicht berücksichtigt werden.

Ägyptomanie war vor allem vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein eine sehr beliebte Art, sich mit dem alten Ägypten zu beschäftigen. Dieser eher sorglose Umgang mit dem Thema ist eigentlich sehr schade, da so vieles von der Geschichte Ägyptens verloren ging oder falsch verstanden wurde. Und ähnlich ist es auch heute mit der pseudowissenschaftlichen und/oder effektheischenden Interpretation ägyptischer Themen oder Motive in Filmen und anderen Medien.

Deshalb sind wir im Gespräch mit unseren Museumsgästen immer wieder gefordert und darauf bedacht, während einer Führung oder in Workshops den aktuellen Forschungsstand zu vermitteln. Auch wenn wir manchmal eingestehen müssen, dass wir die Antwort (noch) nicht kennen. So rütteln wir nicht selten am hergebrachten persönlichen Geschichtsbild der Besucherinnen und Besucher über das Land am Nil.

"Ausstellen und Vermitteln" gehört - neben Sammeln, Bewahren und Erforschen - zu den Kernaufgaben eines Museums. Deshalb freut sich das museumspädagogische Team des RPM, bald wieder unsere jungen und erwachsenen Besucherinnen und Besucher in der ägyptischen Dauerausstellung zu empfangen!Auf ganz bald, herzlich willkommen!

Margrid Schiewek, Dipl. Kulturwissenschaftlerin, Museumpädagogischer Dienst des RPM (Ltg.)

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