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Birkelmeier - Willkomm der Knochenhauer am Großen Markt zu Hildesheim

Birkelmeier, © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Schon seit vielen Jahren wird im Stadtmuseum Hildesheim im Knochenhauer-Amtshaus ein Gefäß präsentiert, das durch sein eigenartiges Erscheinungsbild sich deutlich von den anderen ausgestellten Pokalen abhebt. Doch hinter der rustikalen Schale und dem geheimnisvollen Namen verbirgt sich ein wahrer Schatz, den man durch genauere Betrachtung erst entdecken muss.

Ein Birkelmeier ist ein Trinkgefäß aus einem runden sich verjüngenden Baumstamm mit gewachsener Rinde. Der obere Teil ist in kunstvoller Drechselarbeit in mehreren Stufen mit Stäben und Zinnen aufgebaut. Den dünn ausgedrechselten Rand bedeckt ein goldfarbenes Eisenband, das vermutlich später aufgelegt wurde, da sich darunter fein gravierte Einzelornamente befinden. Das deutlich gedunkelte Gefäß war ursprünglich grün gefasst, der Rand farbenfroh akzentuiert. Aufgrund dieser Farbgebung erfolgte die Datierung auf das Ende des 16. Jh., einer Zeit, in der sich die Hildesheimer Zünfte nach der Stiftfehde konsolidierten und mit neuen Amtshäusern und dem notwendigen Inventar ausstatteten. Innen hatte das Gefäß einen alkohollöslichen Anstrich, der nach unten hin schwindet, was auf einen Gebrauch von alkoholischen Getränken zurückzuführen ist.

Die Bezeichnung "Birkelmeier" ist im Westfälischen und Niedersächsischen belegt. Es handelt sich meist um ein Trinkgefäß aus einem ausgehölten Birkenstamm. Derartige Gefäße dienten bei größeren Gelagen einem trefflichen Willkommenstrunk. Damit sich ein übermäßiger Trunk darin schenken ließ, waren sie entsprechend proportioniert. Der Hildesheimer Birkelmeier verfügt über ein beachtliches Volumen von 1,5 l, so dass auch dieser zu einem mächtigen Schluck gedient haben könnte.

Im Gegensatz zu den meist aus Birkenholz hergestellten ist das Hildesheimer Beispiel aus Lindenholz gefertigt und kann daher nicht dendrologisch untersucht werden. Nur auf Grund der Maltechnik und der schriftlichen Zeugnisse ist eine zeitliche Einordnung möglich. Die Feinheit der Arbeit legt nahe, dass auch unser Hildesheimer Birkelmeier von einer angesehenen Gemeinschaft, wie den Knochenhauern, zu ihrem übermäßigen Trunk gedient haben könnte. Der Hildesheimer Humpen ist bis heute ein absolutes Einzelstück.

Dr. Helga Stein, vorm. wissensch. Mitarbeiterin des Roemer-Museums, Hildesheim 

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