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Doktor Marheinekes Skalp

Pfeilspitze mit Beschriftung „St. Louis“, Inv.-Nr. V 2.649, Sammlung Dr. E. Marheineke. © RPM

Anfang der 1870er-Jahre packte den Hildesheimer Dr. E. Marheineke das Fernweh. Er zog in den "Wilden Westen" nach St. Louis am mächtigen Mississippi-Strom. Dort praktizierte er als Arzt, aber im Herzen war er eigentlich ein leidenschaftlicher Winzer und verbrachte seine Freizeit mit der Pflege seines Weinbergs. Dabei fand er Steinwerkzeuge der amerikanischen Ureinwohner. Im Januar 1879 gab er eine Anzahl davon einem Nachbarn mit, einem anderen Deutschen, der in die alte Heimat reiste und Hermann Roemer, dem Begründer unseres Museums, die Pfeilspitzen und Steinbeile mitsamt einem Brief des Doktors überbrachte. Dieser Brief vom 27. Januar 1879 ist im Hildesheimer Stadtarchiv bis heute erhalten.

Zu gerne wollte Dr. Marheineke für das Hildesheimer Museum auch ethnografische Gegenstände sammeln. Ein "ganzer Kriegeranzug nebst den Waffen" schwebte ihm dabei vor. Die nächsten "Indianer" lebten, so schrieb er in seinem Brief, etwa 450 Kilometer von St. Louis entfernt. Die Entfernung schreckte den Doktor nicht ab, wohl aber die Gefahr für Leib und Leben: "Ich wäre so gerne schon zu den Indianern gereist, um fürs Museum zu sammeln, aber dieselben sind in letzterer Zeit sehr kriegerisch gestimmt und daher jetzt ohne Gefahr nicht zugänglich, und mag ich ihnen die Friedenspfeife nicht anbieten."

"Sollte ich im nächsten Januar so gesund und munter sein, wie ich's jetzt bin, so führe ich meinen Wunsch doch aus", fuhr er unerschrocken fort und unterbreitete Hermann Roemer seine Idee, nötigenfalls die kriegerischen Ureinwohner zu verblüffen: "Mir fällt jetzt ein: da ich in Folge eines überstandenen Typhus im Dezember 77 fast mein ganzes Kopfhaar eingebüßt habe, so lege ich mir eine Perücke zu. Sollten dann die Bösewichte meinen Scalp verlangen, so offeriere ich ihnen mit den Worten (meine Perücke vom Kopfe ziehend): Meine Herren, bemühen Sie sich nicht! Und reiche dieselbe mit freundlicher Miene den Verwunderten.

"Offenbar setzte er sein Vorhaben doch nie in die Tat um, denn er schickte niemals Ethnographica nach Hildesheim. Seine Bemerkung bezüglich der "Indianer" auf dem Kriegspfad gibt übrigens Rätsel auf, denn die einstigen Dörfer der Ureinwohner waren in der Region schon lange verwaist, und zwar in einem Umkreis von weit mehr als 450 Kilometern um St. Louis. Die amerikanische Regierung hatte deren Bewohner ab den 1830er-Jahren zwangsweise in ein "Indianerterritorium" auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaates Oklahoma umgesiedelt, um den Landhunger der europäischen Siedler zu stillen. Auch von kriegerischen Auseinandersetzungen 1879 ist nichts bekannt. Möglicherweise war der Doktor einer Falschinformation aufgesessen - oder er hat in seinem Brief an Hermann Roemer ein wenig geflunkert.

Dr. Sabine Lang, Ausstellungskuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin

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