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Eine besondere Ehrung für den ägyptischen Soldaten Mose

Stele des Mose, Kalkstein, 19. Dynastie, PM 0374 (© RPM, Foto Sh.Shalchi)
Basis mit Füßen einer Kolossalstatue Ramses’ II. bei Qantir-Pi-Ramesse, die ursprünglich vor einem Tempel des Herrschers stand (©Ramses-Stadt, Foto: Robert Stetefeld)

Eine der spannendsten ägyptischen Stelen im RPM gehörte einem Mann namens Mose (Abb. 1), der unter der Herrschaft Pharaoh Ramses' II. (1279-1213 v. Chr.) lebte. Sie gelangte als Teil einer Gruppe von 66 Stelen durch den Museumsmitbegründer Wilhelm Pelizaeus nach Hildesheim. Er hatte sie zwischen 1905 und 1911 in Kairo erworben und dem Museum geschenkt. Das Stelenkonvolut ist unter dem Namen "Horbeit-Stelen" bekannt geworden, da man ursprünglich, wohl aufgrund der Angaben eines Händlers davon ausgegangen war, dass sie in der Nähe des modernen Ortes Horbeit entdeckt worden sei. Schon bald wurde aber Zweifel an einer solchen Herkunft laut, da sich dort keine größeren Anlagen aus der Ramessidenzeit befanden und eine Aufstellung solcher Stelen ohne einen Tempel aus dieser Zeit wenig Sinn gemacht hätte. Heute gehen wir davon aus, dass die Stelen vor einem großen Tempel in Pi-Ramesse (Ramsesstadt), der Residenz der Ramessidenherrscher, aufgestellt waren. Die Fundamente der heute vom Erdboden fast völlig verschwundene Stadt im Ostdelta Ägyptens wird seit nunmehr 40 Jahren vom RPM und seinen Partnern erforscht.

Was ist nun aber so aufregend an dieser Stele und unterscheidet sie von den anderen ihrer Art?

Die Bilder und Texte berichten nämlich nicht nur etwas über eine ganze besonders große Ehrung für den dargestellten Herrn Mose und seine besondere Beziehung zum König, sondern auch etwas über den Ort, an dem das Ereignis stattgefunden haben muss (Abb. 2). Darüber hinaus verdeutlicht sie die besondere politisch-religiöse Rolle des Königs als Garant für Ordnung und Stabilität sowie die dahinterstehende weltanschauliche Doktrin.

Was ist hier so besonderes zu sehen?

Im oberen Bildfeld garantiert Ramses II. dem Gott Ptah, der hier als "Herr der Weltordnung" verstanden wird, mithilfe des Zeichens der hockenden Göttin Maat = Weltenordnung auf seiner erhobenen Hand, dass er sich für diese einsetzen wird. Im Gegenzug garantiert ihm der Gott durch sein Szepter dauerhafte Macht und Leben. Das Ganze muss sich innerhalb eines Tempels abspielen, da dieser als sakraler Ort eine solche Begegnung ermöglicht. Auf der anderen Seite des Bildfeldes lehnt sich der König aus dem Fenster seines zum Tempel gehörigen Palastes und interagiert direkt mit Herrn Mose, dem er "Silber und alle guten Dinge aus der königlichen Verwaltung verleiht".

Das untere Bildfeld stellt die Situation vor dem Tempel dar und damit in der Öffentlichkeit. Abgebildet ist Ramses' II., der aus dem Tempel herausgetreten ist und sich nun neben seiner eigenen Kolossalstatue präsentiert. Die hier stattfindende Belobigung des Mose findet in Gegenwart des "ganzen Heeres" statt. Die Soldaten in ihren militärischen Spitzschurz-Trachten werfen jubelnd die Arme in die Höhe und erhalten ebenfalls etwas von den königlichen Gaben. Gleichzeitig spricht Ramses II. zu seinem Heer: "Seht doch, der Soldat Mose hat das gemacht was (ich als) Seine Majestät wünscht... Wie ausgezeichnet ist was er getan hat für (mich), sehr, sehr!". Die anwesenden Soldaten sind begeistert und jubeln dem König zu: "Du bist (wie der Sonnengott) Re..., wir leben von Deinem Anblick" und sie feiern den Soldaten Mose, der zu ihrer Kompanie gehört.

Sind nun schon alle Fragen gelöst?

Erstaunlich ist, dass Herr Mose auf dieser Stele nur einfach als "Soldat" bezeichnet wird, obwohl es sich bei ihm um eine ganz besondere Persönlichkeit gehandelt haben muss. Seine direkte Begegnung mit dem König innerhalb des Tempelbezirks vor seinem Palast, seine öffentliche Belobigung vor dem ganzen Heer, das hinter den Darstellungen stehende Konzept und die hohe Qualität der Stele, verweisen darauf, dass dieses Denkmal von einem Meister der königlichen Werkstätten geschaffen worden sein muss. Wenn aber Mose nur ein einfacher Soldat war, so muss er etwas ganz Besonderes für den König geleistet haben, was auch ohne diese Leistung speziell zu benennen, durch den schriftliche Hinweis bestätigt wird.

Möglich ist aber auch, dass es sich bei Mose um einen hohen Offizier und einen persönlichen Gefährten des Königs gehandelt hat, und dass sich seine Titel auf einer nicht mehr erhaltenen Basis oder einem umgebenden Schrein befunden hat, der nicht mehr vorhanden ist.

Aber noch eine weitere Frage ist offen. Die Stele wurden in der Antike überarbeitet und auch der Text teilweise geändert, wovon der Name des Mose aber nicht betroffen ist. Was der Grund dafür war und wann genau das geschah, ist bislang noch nicht gelöst. Vielleicht können uns die weiteren Forschungen in der Ramsesstadt eines Tages auch dabei helfen.

Prof. Dr. Regine Schulz, Leitende Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums Hildesheim und des Stadtmuseums im Knochenhauer-Amtshaus

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