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NACHTS IM MUSEUM

© RPM, Foto: S. Werner

"Das ist schon unheimlich. Hier möchte ich nicht übernachten!" Im Schein der Taschenlampen bewegt sich eine kleine Gruppe von Besuchern durch die "Voodoo"-Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum. Glitzernde Gewänder von Mitgliedern einer Geheimgesellschaft funkeln im Dunkeln. Schatten huschen über die Gesichter afrikanischer Holzmasken. Ein Lichtstrahl fällt in die leeren Augenhöhlen des echten Schädels einer Amazone. "Warum eigentlich nicht?" antworte bzw. frage ich die Teilnehmer der Taschenlampenführung, die ich als Museumspädagogin gerade durch die dunkle Ausstellung leite.

Um den gewünschten Gruselfaktor zu erhöhen, begleite ich die Gruppe eine Etage tiefer, wo Objekte aus der Voodoo-Religion in Haiti zu sehen sind und erzähle so plastisch wie möglich von Baron Samedi, der als Geistwesen im Voodoo für die Friedhöfe zuständig ist. Man sollte ihn vorher um Erlaubnis bitten und ihm Opfergaben wie Rum und Zigarren bereitstellen, wenn man Knochen und Gebeine von Verstorbenen für die Fertigung schwarzmagischer Objekte benötigt. Dann folgt von mir eine ausführliche Erklärung, was es mit Zombies und Nadelpuppen auf sich hat.

Bild: © RPM, Foto: Sh. Shalchi

Bevor wir zu den Figuren der "Bizango"-Gruppe gehen, das sind lebensgroße menschliche Figuren des Voodoo in Haiti, deren Gesichter schon bei normaler Beleuchtung der Ausstellung unheimlich wirken, frage ich die Gruppe lieber vorsichtshalber: "Sollen wir uns diese Figuren ansehen?" Insbesondere in Hinsicht auf das Kind, das an der Führung teilnimmt, merke ich an: "Ich möchte ja nicht, dass jemand nachts schlecht träumt." Da ruft das Kind: "Ja, das will ich sehen! Das macht mir gar nichts! Da hab ich schon viel gruseligere Sachen in Filmen gesehen und in Büchern gelesen!" Die Erwachsenen gucken etwas betreten und nicken dann. Ok, denke ich und erzähle dann den geschichtlichen Fakten entsprechend, welche Funktion die Figuren hatten und das sich u. a. menschliche Leichenteile im Inneren der Figuren befinden. Das Kind hört gespannt zu. Die Erwachsenen gruseln sich.

Dann ist die Führung zu Ende. Ich wünsche der Gruppe noch einen schönen Abend und zitiere Ben Stiller, der in dem Film "Nachts im Museum. Das geheimnisvolle Grabmal"" sagt: "Wir wissen beide, dass hier im Museum etwas Magisches geschieht!" und diese ganz besondere Magie können nicht nur unsere Besucher, sondern auch die Mitarbeiter*innen immer wieder spüren.

Julia Kruse, M. A., Museumspädagogin

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